Sie sind nicht angemeldet.

21

Sonntag, 7. Dezember 2008, 14:25

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 20

Diviciacus multis cum lacrimis Caesarem complexus obsecrare coepit ne quid gravius in fratrem statueret: scire se illa esse vera, nec quemquam ex eo plus quam se doloris capere, propterea quod, cum ipse gratia plurimum domi atque in reliqua Gallia, ille minimum propter adulescentiam posset, per se crevisset; quibus opibus ac nervis non solum ad minuendam gratiam, sed paene ad perniciem suam uteretur. Sese tamen et amore fraterno et existimatione vulgi commoveri. Quod si quid ei a Caesare gravius accidisset, cum ipse eum locum amicitiae apud eum teneret, neminem existimaturum non sua voluntate factum; qua ex re futurum uti totius Galliae animi a se averterentur. Haec cum pluribus verbis flens a Caesare peteret, Caesar eius dextram prendit; consolatus rogat finem orandi faciat; tanti eius apud se gratiam esse ostendit uti et rei publicae iniuriam et suum dolorem eius voluntati ac precibus condonet. Dumnorigem ad se vocat, fratrem adhibet; quae in eo reprehendat ostendit; quae ipse intellegat, quae civitas queratur proponit; monet ut in reliquum tempus omnes suspiciones vitet; praeterita se Diviciaco fratri condonare dicit. Dumnorigi custodes ponit, ut quae agat, quibuscum loquatur scire possit.

[hr]

Diviciacus, unter vielen Tränen Cäsar umarmend, begann, ihn zu beschwören, er möge wirklich nicht zu streng gegen seinen Bruder vorgehen. Er wisse, daß jenes wahr sei und niemand empfinde über dieses mehr Kummer als er, und zwar deshalb, weil, während er selbst den größten Einfluß in seiner Heimat und im übrigen Gallien besessen habe, jener wegen seiner Jugend ganz wenig gegolten habe und durch ihn emporgekommen sei: diese Machtmittel und diesen Einfluß benutze er nicht nur zur Schwächung seines (des Diviciacus) Ansehens, sondern beinahe zum seinem Verderben. Er jedoch lasse sich durch Bruderliebe und die Meinung dieses Volkes bewegen (d. h. zum Mitleid). Wenn ihm nun etwas zu Schwere von Cäsar widerfahre, obgleich er selbst diese freundschaftliche Stellung bei ihm einnehme, werde niemand glauben, es sei nicht mit seinem Willen geschehen; die Folge werde sein, daß sich des gesamten Galliens Gesinnung (d. h. alle Gallier) von ihm abwenden würden. Als er dies mit viel mehr Worten weinend von Cäsar erbat, ergreift dieser seine Rechte; er tröstet und bittet ihn, seinem Bitten ein Ende zu machen; er weist darauf hin, daß ihm seine Beliebtheit bei ihm so viel gelte, daß er sowohl das Unrecht (des Dumnorix) dem (römischen) Staate gegenüber als auch seine persönliche Kränkung seinem (des Diviciacus) Wunsche und seiner Fürbitte gleichsam schenke (d. h. seinem Wunsche und seiner Fürbitte zuliebe verzeihen). Dumnorix ruft er zu sich; den Bruder zieht er hinzu; was er an ihm wirklich zu tadeln hat, legt er dar; was er selbst wahrnimmt, worüber sich der Stamm beschwert, tut er ihm kund; für die Zukunft möge er alle Veranlassungen zu Verdacht vermeiden; das Vergangene, so erklärt er, verzeihe er dem Bruder Diviciacus zuliebe. Dem Dumnorix stellte er Wächter (heimliche Beobachter), damit er, was er tut, mit wem er sich bespricht, wissen kann.

22

Sonntag, 7. Dezember 2008, 14:29

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 21

Eodem die ab exploratoribus certior factus hostes sub monte consedisse milia passuum ab ipsius castris octo, qualis esset natura montis et qualis in circuitu ascensus qui cognoscerent misit. Renuntiatum est facilem esse. De tertia vigilia T. Labienum, legatum pro praetore, cum duabus legionibus et iis ducibus qui iter cognoverant summum iugum montis ascendere iubet; quid sui consilii sit ostendit. Ipse de quarta vigilia eodem itinere quo hostes ierant ad eos contendit equitatumque omnem ante se mittit. P. Considius, qui rei militaris peritissimus habebatur et in exercitu L. Sullae et postea in M. Crassi fuerat, cum exploratoribus praemittitur.

[hr]

An demgleichen Tag von Aufklärern benachrichtigt, die Feinde hätten am Fuße eines Berges eine Stellung bezogen, 8000 Doppelschritt (12 km) von seinem eigenen Lager entfernt, schickte er Leute aus, die erkunden sollten, wie beschaffen die Natur des Berges und wie beschaffen ringsum der Anstieg sei. Es wurde zurückgemeldet, er sei leicht. Cäsar befahl dem Titus Labienus, seinem stellvertretenden Legaten, noch während der dritten Nachtwache (24 - 3 Uhr) mit zwei Legionen und unter Führung derer, die den Weg erkundet hatten, den Gipfel des Berges zu ersteigern was sein Plan ist, erklärt er. Er selber rückt noch während der vierten Nachtwache (3 - 6 Uhr) auf demselben Wege, auf dem die Feinde gezogen waren, gegen sie in Eile an und schickt die gesamte Reiterei vor sich her. Publius Considius, der als sehr erfahrener im Kriegswesen galt und im Heere des Lucius Sulla und danach in dem des Marcus Grassus gedient hatte, wird mit Aufklärern vorausgeschickt.

23

Sonntag, 7. Dezember 2008, 14:32

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 22

Prima luce, cum summus mons a [Lucio] Labieno teneretur, ipse ab hostium castris non longius mille et quingentis passibus abesset neque, ut postea ex captivis comperit, aut ipsius adventus aut Labieni cognitus esset, Considius equo admisso ad eum accurrit, dicit montem, quem a Labieno occupari voluerit, ab hostibus teneri: id se a Gallicis armis atque insignibus cognovisse. Caesar suas copias in proximum collem subducit, aciem instruit. Labienus, ut erat ei praeceptum a Caesare ne proelium committeret, nisi ipsius copiae prope hostium castra visae essent, ut undique uno tempore in hostes impetus fieret, monte occupato nostros expectabat proelioque abstinebat. Multo denique die per exploratores Caesar cognovit et montem a suis teneri et Helvetios castra, movisse et Considium timore perterritum quod non vidisset pro viso sibi renuntiavisse. Eo die quo consuerat intervallo hostes sequitur et milia passuum tria ab eorum castris castra ponit.

[hr]

Bei Tagesanbruch, als der Gipfel des Berges von Labienus besetzt gehalten wurde, Cäsar selbst vom Lager der Feinde nicht weiter als 1500 Doppelschritte (etwas über 2 km) entfernt war und, wie er später von Gefangenen erfuhr, weder seine Ankunft noch die des Labienus erkannt worden war, kam Considius in vollem Galopp zu ihm gesprengt und meldet, der Berg, von dem er gewollt habe, daß er von Labienus besetzt werde, werde von den Feinden (besetzt) gehalten; das habe er an den gallischen Waffen und Abzeichen erkannt. Cäsar ließ seine Truppen auf den nächsten Hügel rücken, stellt sie in Schlachtordnung auf. Labienus wartete nach der Besetzung des Berges auf die Unsrigen und enthielt sich des Kampfes, wie ihm von Cäsar befohlen war, nicht anzugreifen, wenn nicht seine (Cäsars) Truppen in der Nähe des Lagers der Feinde gesehen worden wären, damit von allen Seiten die Feinde gleichzeitig angegriffen würden. Später am Tage erfuhr Cäsar schließlich durch Aufklärer sowohl, daß der Berg von seinen Leuten besetzt gehalten werde, als auch, daß die Helvetier weitergezogen seien und daß Considius, durch Angst erschreckt (in seiner Bestürzung), was er nicht gesehen habe, als gesehen ihm gemeldet habe. An dem Tage rückt Cäsar in dem Abstand, in dem er es gewohnt war, den Feinden nach und schlägt 3 000 Doppelschritte (4,5 km) von ihrem Lager entfernt sein Lager auf.

24

Sonntag, 7. Dezember 2008, 14:35

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 23

Postridie eius diei, quod omnino biduum supererat, cum exercitui frumentum metiri oporteret, et quod a Bibracte, oppido Haeduorum longe maximo et copiosissimo, non amplius milibus passuum XVIII aberat, rei frumentariae prospiciendum existimavit; itaque iter ab Helvetiis avertit ac Bibracte ire contendit. Ea res per fugitivos L. Aemilii, decurionis equitum Gallorum, hostibus nuntiatur. Helvetii, seu quod timore perterritos Romanos discedere a se existimarent, eo magis quod pridie superioribus locis occupatis proelium non commisissent, sive eo quod re frumentaria intercludi posse confiderent, commutato consilio atque itinere converso nostros a novissimo agmine insequi ac lacessere coeperunt.

[hr]

Am Tage nach diesem Tage glaubt Cäsar, weil überhaupt nur noch zwei Tage übrig waren, bis man dem Heere das Getreide zumessen mußte, und weil er von Bibracte, der weit größten und reichsten Stadt der Häduer als 8000 Doppelschritte (27 km) entfernt war, für die Verpflegung sorgen zu müssen; er bog von den Helvetiern ab und zog in Eile auf Bibracte zu. Das wird durch Flüchtlinge des Lucius ämilius, eines Zugführers der gallischen Reiter, den Feinden gemeldet. Die Helvetier, sei es, weil sie glaubten, daß die Römer sich aus Furcht von ihnen absetzten, um so mehr, weil sie tages zuvor, obgleich sie die Höhen besetzt hatten, nicht angegriffen hatten, oder sei es deshalb, weil sie darauf vertrauten, daß sie (die Römer) von der Verpflegung abgeschnitten werden konnte, änderten ihren Plan, machten kehrt und begannen, die Unsrigen von der Nachhut her zu verfolgen und anzugreifen.

25

Sonntag, 7. Dezember 2008, 14:38

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 24

Postquam id animum advertit, copias suas Caesar in proximum collem subduxit equitatumque, qui sustineret hostium impetum, misit. Ipse interim in colle medio triplicem aciem instruxit legionum quattuor veteranarum; in summo iugo duas legiones quas in Gallia citeriore proxime conscripserat et omnia auxilia conlocavit, ita ut supra se totum montem hominibus compleret; impedimenta sarcinasque in unum locum conferri et eum ab iis qui in superiore acie constiterant muniri iussit. Helvetii cum omnibus suis carris secuti impedimenta in unum locum contulerunt; ipsi confertissima acie, reiecto nostro equitatu, phalange facta sub primam nostram aciem successerunt.

[hr]

Nachdem Cäsar dieses bemerkt hat, führt er seine Truppen auf den nächsten Hügel und schickte die Reiterei vor, die den Angriff der Feinde auffangen sollte. Zwischenzeitlich stellte er auf halber Höhe des Hügels die dreifache Schlachtreihe seiner vier alten Legionen auf (d. h. er ließ seine vier alten Legionen in drei Treffen aufmarschieren), aber oben auf dem Hügel befahl er die zwei Legionen aufzustellen, die er im diesseitigen Gallien ganz vor kurzem ausgehoben hatte, sowie alle Hilfstruppen, und den ganzen Hügel von Menschen dicht zu besetzen und das ganze Gepäck inzwischen an eine Stelle zu schaffen und sie von diesen (d. h. von den eben genannten zwei neuen Legionen) zu sichern. Die Helvetier, die mit allen Karren gefolgt waren, brachten ihren Troß an eine Stelle; in dichtgedrängter Schlachtstellung warfen sie unsere Reiterei zurück, bildeten eine Phalanx (Schlachthaufen, mehrere Glieder, tiefe Schlachtordnung der Gallier und Germanen, die Schilde des ersten Gliedes wurden mit den Rändern übereinandergelegt) und rückten gegen unseres erstes Treffen von unten an.

26

Sonntag, 7. Dezember 2008, 14:47

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 25

Caesar primum suo, deinde omnium ex conspectu remotis equis, ut aequato omnium periculo spem fugae tolleret, cohortatus suos proelium commisit. Milites loco superiore pilis missis facile hostium phalangem perfregerunt. Ea disiecta gladiis destrictis in eos impetum fecerunt. Gallis magno ad pugnam erat impedimento quod pluribus eorum scutis uno ictu pilorum transfixis et conligatis, cum ferrum se inflexisset, neque evellere neque sinistra impedita satis commode pugnare poterant, multi ut diu iactato bracchio praeoptarent scutum manu emittere et nudo corpore pugnare. Tandem vulneribus defessi et pedem referre et, quod mons suberit circiter mille passuum spatio, eo se recipere coeperunt. Capto monte et succedentibus nostris, Boi et Tulingi, qui hominum milibus circiter XV agmen hostium claudebant et novissimis praesidio erant, ex itinere nostros ab latere aperto adgressi circumvenire, et id conspicati Helvetii, qui in montem sese receperant, rursus instare et proelium redintegrare coeperunt. Romani conversa signa bipertito intulerunt: prima et secunda acies, ut victis ac submotis resisteret, tertia, ut venientes sustineret.

[hr]

Cäsar ließ als erstes sein Pferd, dann die Pferde aller aus dem Gesichtskreise entfernen, um die Gefahr aller gleich zu machen und die Aussicht zu nehmen, feuerte seine Leute an und begann den Kampf. Die Soldaten durchbrachen (rissen Lücken) mit wenig Mühe mit ihren von oben geworfenen Pilen (Wurfspeere, etwa 4,5 m lange und 1 kg schwere Holzschäfte mit Eisenspitze) die Phalanx der Feinde. Nachdem dieses gesprengt war, machten sie mit gezückten Schwertern einen Angriff auf sie (die Helvetier). Diesen war es für den Kampf ein großes Hindernis, daß, wenn mehrere ihrer Schilde durch einen Pilenwurf durchbohrt und aneinandergeheftet waren, da sich die Eisenspitze umgebogen hat und sie es weder herausreißen noch infolge der Verhinderung ihrer Linken nicht ordentlich kämpfen konnten, so dass viele, nachdem der Arm lange geschüttelt worden war, es vorzogen, den Schild wegzuwerfen und mit ungedecktem Körper zu kämpfen. Schließlich begannen sie, von Wunden erschöpft, zu weichen und, weil ein Berg in der Nähe war, in einer Entfernung von etwa 1000 Doppelschritten (1,5 km), sich dorthin zurückzuziehen. Während der Berg besetzt war und die Unsrigen von unten nachrückten, griffen die Bojer und die Tulinger(in der Nordschweiz), die mit ungefähr 15000 Mann den Zug der Feinde schlossen und der Nachhut zur Deckung dienten, unmittelbar vom Marsch aus auf der ungedeckten (rechten) Seite an und suchten sie zu umzingeln, und das gesehen habend, begannen die Helvetier, die sich auf den Berg zurückgezogen hatten, wiederum vorzudringen und den Kampf zu erneuern. Die Römer tragen die gewendeten Feldzeichen nach zwei Seiten (d. h. machten eine Schwenkung und griffen nach zwei Seiten hin an): das erste und zweite Treffen, um den Geschlagenen und Zurückgeworfenen (d. h. den Helvetiern) Widerstand zu leisten, das dritte, um die Anrückenden aufzuhalten.

27

Sonntag, 7. Dezember 2008, 14:52

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 26

Ita ancipiti proelio diu atque acriter pugnatum est. Diutius cum sustinere nostrorum impetus non possent, alteri se, ut coeperant, in montem receperunt, alteri ad impedimenta et carros suos se contulerunt. Nam hoc toto proelio, cum ab hora septima ad vesperum pugnatum sit, aversum hostem videre nemo potuit. Ad multam noctem etiam ad impedimenta pugnatum est, propterea quod pro vallo carros obiecerunt et e loco superiore in nostros venientes tela coiciebant et non nulli inter carros rotasque mataras ac tragulas subiciebant nostrosque vulnerabant. Diu cum esset pugnatum, impedimentis castrisque nostri potiti sunt. Ibi Orgetorigis filia atque unus e filiis captus est. Ex eo proelio circiter hominum milia CXXX superfuerunt eaque tota nocte continenter ierunt [nullam partem noctis itinere intermisso]; in fines Lingonum die quarto pervenerunt, cum et propter vulnera militum et propter sepulturam occisorum nostri [triduum morati] eos sequi non potuissent. Caesar ad Lingonas litteras nuntiosque misit, ne eos frumento neve alia re iuvarent: qui si iuvissent, se eodem loco quo Helvetios habiturum. Ipse triduo intermisso cum omnibus copiis eos sequi coepit.

[hr]

So wurde in einer Doppelschlacht sehr lange und hitzig gekämpft. Als sie die Angriffe der Unsrigen nicht mehr länger aushalten konnten, zogen sich die einen, wie sie begonnen hatten, auf den Berg zurück, die anderen begaben sich zum Gepäck und ihren Karren. Dann in dieser ganzen Schlacht hat, obwohl von der 7. Stunde (gegen Mittag) bis gegen Abend gekämpft worden ist, einen fliehenden Feind niemand sehen können. Bis in die tiesfte Nacht wurde auch beim Gepäck gekämpft, deshalb weil sie die Karren statt eines Walles entgegengestellt (eine Wagenburg aus den Karren gebildet) hatten und von dem höheren Orte aus auf die anrückenden Unsrigen schossen und weil einige aus den Zwischenräumen der Karren und Räder ihre Wurfspeere und Wurfspieße von unten her schleuderten und (die Unsrigen) verwundeten. Als lange gekämpft worden war, bemächtigten sich die Unsrigen des Gepäckes und des Lagers. Hier waren die Tochter der Orgetorix und einer seiner Söhne gefangengenommen. Aus dieser Schlacht blieben ungefähr 130.000 Menschen übrig, und sie zogen noch in dieser ganzen Nacht ohne Aufenthalt weiter; nachdem der Marsch auch keinen Toll der Nacht ausgesetzt worden war, gelangten sie am vierten Tage ins Gebiet der Ligoner (ins Quellgebiet der Maas und Mame; Hauptstadt Andematunnum, später Lingones, daher Langres), da die Unsrigen sowohl wegen der Wunden der Soldaten (wegen der Verwundeten) als auch wegen der Bestattung der Gefallenen einen Aufenthalt von drei Tagen gehabt und ihnen nicht hatten folgen können. Cäsar schickte zu den Lingonen Boten mit einem Brief, sie möchten sie (die Helvetier) nicht mit Getreide und nicht mit etwas anderem unterstützen; andernfalls (wenn sie sie unterstützt hätten) werde er sie auf dieselbe Weise wie die Helvetier behandeln. Er selber begann nach Verlauf von drei Tagen mit allen Truppen diesen zu folgen.

28

Sonntag, 7. Dezember 2008, 14:57

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 27

Helvetii omnium rerum inopia adducti legatos de deditione ad eum miserunt. Qui cum eum in itinere convenissent seque ad pedes proiecissent suppliciterque locuti flentes pacem petissent, atque eos in eo loco quo tum essent suum adventum expectare iussisset, paruerunt. Eo postquam Caesar pervenit, obsides, arma, servos qui ad eos perfugissent, poposcit. Dum ea conquiruntur et conferuntur, [nocte intermissa] circiter hominum milia VI eius pagi qui Verbigenus appellatur, sive timore perterriti, ne armis traditis supplicio adficerentur, sive spe salutis inducti, quod in tanta multitudine dediticiorum suam fugam aut occultari aut omnino ignorari posse existimarent, prima nocte e castris Helvetiorum egressi ad Rhenum finesque Germanorum contenderunt.

[hr]

Die Helvetier, durch den Mangel an allem bewogen, schickten Gesandte betreffs Unterwerfung an ihn (Cäsar). Als sie ihn auf dem Marsche getroffen und sich ihr zu Füßen geworfen hatten und er ihnen befohlen hatte an derjenigen Stelle, wo sie jetzt seien, auf sein Kommen zu warten, gehorchten sie. Nachdem Cäsar dort hin gelangt war, verlangte er Geiseln, ihre Waffen und die Sklaven, die zu ihnen übergelaufen seien. Während dies zusammengesucht und zusammengebracht wurde und es inzwischen Nacht geworden ist, verließen etwa 6000 Mann desjenigen Gaues, der Verbigenus heißt, zu Beginn der Nacht das Lager der Helvetier und zogen in Eile nach dem Rheins und dem Gebiete der Germanen, sei es aus Furcht, daß sie nach Ablieferung der Waffen niedergemacht würden, oder sei es durch die Aussicht auf Rettung bewogen, weil sie glauben mochten, daß bei der so großen Menge der Unterworfenen ihre Flucht entweder verborgen bleiben oder überhaupt nicht gemerkt werden könne.

29

Sonntag, 7. Dezember 2008, 15:02

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 28

Quod ubi Caesar resciit, quorum per fines ierant his uti conquirerent et reducerent, si sibi purgati esse vellent, imperavit; reductos in hostium numero habuit; reliquos omnes obsidibus, armis, perfugis traditis in deditionem accepit. Helvetios, Tulingos, Latobrigos in fines suos, unde erant profecti, reverti iussit, et, quod omnibus frugibus amissis domi nihil erat quo famem tolerarent, Allobrogibus imperavit ut iis frumenti copiam facerent; ipsos oppida vicosque, quos incenderant, restituere iussit. Id ea maxime ratione fecit, quod noluit eum locum unde Helvetii discesserant vacare, ne propter bonitatem agrorum Germani, qui trans Rhenum incolunt, ex suis finibus in Helvetiorum fines transirent et finitimi Galliae provinciae Allobrogibusque essent. Boios petentibus Haeduis, quod egregia virtute erant cogniti, ut in finibus suis conlocarent, concessit; quibus illi agros dederunt quosque postea in parem iuris libertatisque condicionem atque ipsi erant receperunt.

[hr]

Als Cäsar dies erfuhr, befahl er denen, durch deren Gebiet sie gezogen waren, sie sollten sie aufgreifen und zu ihm zurückführen, wenn sie in seinen Augen gerechtfertigt sein wollten. Die Zurückgeführten behandelte er als Feinde; die Übrigen alle nahm er nach Auslieferung der Geiseln, Waffen und Überläufer als seine Untertanen auf. Den Helvetiern, Tulingern und Latovicern (oder Latobrigern; die T. u. L. geographisch unbestimmbar) befahl er, in die Reiche, von wo sie ausgezogen waren, zurückzukehren, und weil nach Verlust aller Feldfrüchte in der Heimat nichts war, womit sie den Hunger ertragen konnten, wies er die Allobroger an, sie sollten ihnen Gelegenheit zu Getreide geben (sie mit Getreide unterstützen), ihnen selbst befahl er, die Städte und Dörfer, die sie eingeäschert hatten, wiederaufzubauen. Das tat er hauptsächlich aus dem Grund, weil er nicht wollte, daß der Raum, aus dem die Helvetier weggezogen waren, freibliebe, damit nicht wegen der guten Beschaffenheit des Bodens die Germanen, die jenseits des Rheines wohnen, aus ihrem Gebiete herüberkämen und dann der Provinz Gallien und den Allobrogern benachbart wären. Den Häduern gestattete er auf ihre Bitte, die Bojer, weil sie durch hervorragende Tapferkeit bekannt geworden waren, in ihrem Lande anzusiedeln; diesen gaben jene Grund und Boden, und später nahmen sie sie in das gleiche Verhältnis von Recht und Unabhängigkeit auf (gewährten sie ihnen die Gleichberechtigung und Unabhängigkeit), in dem sie selbst standen.

30

Sonntag, 7. Dezember 2008, 15:27

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 29

In castris Helvetiorum tabulae repertae sunt litteris Graecis confectae et ad Caesarem relatae, quibus in tabulis nominatim ratio confecta erat, qui numerus domo exisset eorum qui arma ferre possent, et item separatim, quot pueri, senes mulieresque. [Quarum omnium rerum] summa erat capitum Helvetiorum milium CCLXIII, Tulingorum milium XXXVI, Latobrigorum XIIII, Rauracorum XXIII, Boiorum XXXII; ex his qui arma ferre possent ad milia nonaginta duo. Summa omnium fuerunt ad milia CCCLXVIII. Eorum qui domum redierunt censu habito, ut Caesar imperaverat, repertus est numerus milium C et X.

[hr]

Im Lager der Helvetier fand man Listen nur in griechischer Schrift (mit griechischen Buchstaben hergestellt, in gallischer Sprache) und brachte sie zu Cäsar. Auf diesen Listen war ein Verzeichnis unter Angabe von Namen zusammengestellt, welche Zahl ausgewandert sei von den jenigen, die Waffen tragen könnten und ebenso gesondert die Jugendlichen, die Alten und die Frauen. Aller dieser Rubriken Gesamtzahl waren 263.000 Helvetier, 36.000 Tulinger, 14.000 Latovicer, 23.000 Rauricer und 32.000 Bojer, unter diesen an die 92.000, die Waffen tragen konnten. Die gesamte Zahl war etwa 368.000. Von denen, welche in die Heimat zurückkehrten, wurde, als eine Zählung angestellt wurde, wie Cäsar befohlen hatte, eine Zahl von 110.000 ermittelt.

31

Sonntag, 7. Dezember 2008, 15:29

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 30

Bello Helvetiorum confecto totius fere Galliae legati, principes civitatum, ad Caesarem gratulatum convenerunt: intellegere sese, tametsi pro veteribus Helvetiorum iniuriis populi Romani ab his poenas bello repetisset, tamen eam rem non minus ex usu [terrae] Galliae quam populi Romani accidisse, propterea quod eo consilio florentissimis rebus domos suas Helvetii reliquissent uti toti Galliae bellum inferrent imperioque potirentur, locumque domicilio ex magna copia deligerent quem ex omni Gallia oportunissimum ac fructuosissimum iudicassent, reliquasque civitates stipendiarias haberent. Petierunt uti sibi concilium totius Galliae in diem certam indicere idque Caesaris facere voluntate liceret: sese habere quasdam res quas ex communi consensu ab eo petere vellent. Ea re permissa diem concilio constituerunt et iure iurando ne quis enuntiaret, nisi quibus communi consilio mandatum esset, inter se sanxerunt.

[hr]

Nachdem der Krieg mit den Helvetiern beendet worden war, fanden sich Gesandte fast ganz Galliens, die Fürsten der Stämme, bei Cäsar ein, um ihre Glückwünsche zu bringen. Sie sähen ein, (sagten sie,) daß, ob gleich er für die älteren Übergriffe der Helvetier gegen das römische Volk von ihnen durch den Krieg Buße gefordert habe, dies dennoch nicht weniger vorteilhaft für das Land Gallien als für das römische Volk sich ereignet habe, und zwar deshalb, weil die Helvetier trotz der blühendsten Verhältnisse ihre Heimat verlassen hätten, in der Absicht, ganz Gallien mit Krieg zu überziehen, sich der Herrschaft zu bemächtigen, aus dem großen Bereiche die Gegend als Wohnsitz auszuwählen, die sie von ganz Gallien für die günstigste und fruchtbarste hielten, und die übrigen Stämme alle als tributpflichtige zu haben. Sie baten darum, es möchte ihnen erlaubt sein, einen Landtag ganz Galliens für einen bestimmten Termin anzusagen und das mit Cäsars Genehmigung zu tuen; sie hätten etliches (gewisse Sachen), worum sie ihn auf Grund allgemeiner Zustimmungen bitten wollten. Nachdem dies erlaubt war, setzten sie einen Termin für den Landtag fest und bestimmten feierlich durch einen Eid untereinander, daß niemand eine Aussage machen sollte (über die Verhandlungen) außer denen, die auf gemeinsamen Beschluß den Auftrag dazu erhielten.

32

Sonntag, 7. Dezember 2008, 21:56

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 31

Eo concilio dimisso, idem princeps civitatum qui ante fuerant ad Caesarem reverterunt petieruntque uti sibi secreto in occulto de sua omniumque salute cum eo agere liceret. Ea re impetrata sese omnes flentes Caesari ad pedes proiecerunt: non minus se id contendere et laborare ne ea quae dixissent enuntiarentur quam uti ea quae vellent impetrarent, propterea quod, si enuntiatum esset, summum in cruciatum se venturos viderent. Locutus est pro his Diviciacus Haeduus: Galliae totius factiones esse duas; harum alterius principatum tenere Haeduos, alterius Arvernos. Hi cum tantopere de potentatu inter se multos annos contenderent, factum esse uti ab Arvernis Sequanisque Germani mercede arcesserentur. Horum primo circiter milia XV Rhenum transisse; postea quam agros et cultum et copias Gallorum homines feri ac barbari adamassent, traductos plures; nunc esse in Gallia ad C et XX milium numerum. Cum his Haeduos eorumque clientes semel atque iterum armis contendisse; magnam calamitatem pulsos accepisse, omnem nobilitatem, omnem senatum, omnem equitatum amisisse. Quibus proeliis calamitatibusque fractos, qui et sua virtute et populi Romani hospitio atque amicitia plurimum ante in Gallia potuissent, coactos esse Sequanis obsides dare nobilissimos civitatis et iure iurando civitatem obstringere sese neque obsides repetituros neque auxilium a populo Romano imploraturos neque recusaturos quo minus perpetuo sub illorum dicione atque imperio essent. Unum se esse ex omni civitate Haeduorum qui adduci non potuerit ut iuraret aut liberos suos obsides daret. Ob eam rem se ex civitate profugisse et Romam ad senatum venisse auxilium postulatum, quod solus neque iure iurando neque obsidibus teneretur. Sed peius victoribus Sequanis quam Haeduis victis accidisse, propterea quod Ariovistus, rex Germanorum, in eorum finibus consedisset tertiamque partem agri Sequani, qui esset optimus totius Galliae, occupavisset et nunc de altera parte tertia Sequanos decedere iuberet, propterea quod paucis mensibus ante Harudum milia hominum XXIIII ad eum venissent, quibus locus ac sedes pararentur. Futurum esse paucis annis uti omnes ex Galliae finibus pellerentur atque omnes Germani Rhenum transirent; neque enim conferendum esse Gallicum cum Germanorum agro neque hanc consuetudinem victus cum illa comparandam. Ariovistum autem, ut semel Gallorum copias proelio vicerit, quod proelium factum sit ad Magetobrigam, superbe et crudeliter imperare, obsides nobilissimi cuiusque liberos poscere et in eos omnia exempla cruciatusque edere, si qua res non ad nutum aut ad voluntatem eius facta sit. Hominem esse barbarum, iracundum, temerarium: non posse eius imperia, diutius sustineri. Nisi quid in Caesare populoque Romano sit auxilii, omnibus Gallis idem esse faciendum quod Helvetii fecerint, ut domo emigrent, aliud domicilium, alias sedes, remotas a Germanis, petant fortunamque, quaecumque accidat, experiantur. Haec si enuntiata Ariovisto sint, non dubitare quin de omnibus obsidibus qui apud eum sint gravissimum supplicium sumat. Caesarem vel auctoritate sua atque exercitus vel recenti victoria vel nomine populi Romani deterrere posse ne maior multitudo Germanorum Rhenum traducatur, Galliamque omnem ab Ariovisti iniuria posse defendere.

[hr]

Nachdem dieser Landtag entlassen worden ist, kehrten dieselben Stammesfürsten, die vorher dagewesen waren, zu Cäsar zurück und baten darum, daß es ihnen erlaubt sein möchte, mit ihm ohne Zeugen über ihr eigenes Heil und das aller zu verhandeln. Als sie dieses erreicht hatten, warfen sie sich alle weinend Cäsar zu Füßen. Ihr Streben und ihre Sorge (erklärte, sie,) sei nicht weniger darauf gerichtet, daß das, was sie sagten, nicht verraten werde, als darauf, daß sie das, was sie wollten, erlangten. Deswegen weil sie sähen, daß sie, wenn ein Verrat stattfinde, der schlimmsten Marter entgegengehen würden. Für diese führte der Häduer Diviciacus das Wort: Gesamtgallens Parteien seien an Zahl zwei; die Führung der einen hätten die Häduer inne, die der anderen die Aärnä. Während diese so erbittert um die Vormachtsstellung unter sich viele Jene stritten, sei es dahin gekommen, daß von den Arvernern und Sequanern Germanen als Söldner herbeigeholt wurden (um 70 v. u. Z.). Von denen hätten zuerst etwa 15.000 den Rhein überschritten; nachdem die wilden und barbarischen Gesellen an Land, Lebensweise und Wohlstand der Gallier Geschmack gefunden hätten, seien noch mehr herübergebracht worden; jetzt seien in Gallien an die 120.000. Mit denen hätten sich die Häduer und ihre Klienten zu wiederholten Malen im Kampfe gemessen; geschlagen hätten sie eine schwere Niederlage erlitten; ihren gesamten Adel, ihren gesamten Rat und ihre gesamte Ritterschaft hätten sie eingebüßt. Durch diese Kämpfe und Niederlagen gebrochen (geschwächt) sind sie, die sowohl durch ihre Tapferkeit als auch durch ihre Gast- und Staatsfreundschaft mit dem römischen Volke den größten Einfluß vorher in Gallien gehabt hätten, gezwungen worden, die Vornehmsten ihres Stammes den Sequanern als Geiseln zu geben und ihren Stamm durch einen Eid zu verpflichten, weder die Geiseln zurückzuverlangen noch das römische Volk um Hilfe anzuflehen noch sich zu weigern, unter der dauernden Botmäßigkeit und Herrschaft jener (der Sequaner) zu stehen. Er (Diviciacus) sei der Einzige aus dem kompletten Stamme der Häduer, der nicht habe veranlaßt werden können, den Eid zu leisten oder seine Kinder als Geiseln zu geben. Deswegen sei er aus dem Stamm geflohen und zu Rom zum Senate gekommen, um Hilfe zu verlangen, weil er allein weder durch einen Eid noch durch Geiseln gebunden sei. Aber viel schlimmer sei es den siegreichen Sequanern als den besiegten Häduern ergangen, deswegen weil sich Ariovist, der König der Germanen, in ihrem Gebiet festgesetzt und ein Drittel des Sequanerlandes, das das beste ganz Galliens sei, besetzt habe und jetzt den Sequanern befehle, das zweite Drittel zu räumen, deswegen weil wenige Monate zuvor 24000 Mann, Haruden zu ihm gekommen seien, denen Raum und Wohnsitze verschafft würden. Innerhalb weniger Jahre würden sie komplett aus dem Lande Gallien vertrieben werden und alle Germanen den Rhein überschreiten; denn weder dürfe man das gallische Land mit dem der Germanen vergleichen noch die Lebensweise hier mit der dort (noch diese Lebensweise mit jener). Ariovist aber führe, nachdem er einmal die Scharen der Gallier im Kampfe besiegt habe - das Treffen, das bei Magetobriga (Lage unbekannt) geliefert worden sei - ein stolzes und grausames Regiment, verlange die Kinder gerade des höchsten Adels als Geiseln und vollziehe an ihnen alle Arten von Strafen und Martern, wenn etwas nicht nach seinem Wink und Willen geschehen sei. Er sei ein roher, jähzorniger und sehr leidenschaftlicher Mensch; es sei unmöglich, sein Regiment noch länger zu ertragen. Es sei denn, daß bei Cäsar und dem römischen Volke etwas Hilfe zu finden sei, sonst müßten alle Gallier dasgleiche tun, was die Helvetier getan hätten: sie müßten von daheim auswandern, eine andere Heimat, andere Wohnsitze, fern von den Germanen, aufsuchen und ihr Glück, wie es auch ausfalle, versuchen. Wenn dies Ariovist verraten worden sei, so zweifele er (Diviciacus) nicht, daß er (Ariovist) an vielen Geiseln, die bei ihm seien, die martervollste Todesstrafe vollziehen werde. Cäsar sei imstande, sei es durch sein und seines Heeres Ansehen oder sei es durch seinen jüngst errungenen Sieg oder sei es durch den Ruf des römischen Volkes, davon abzuschrecken, daß eine noch größere Menge an Germanen, über den Rhein herübergebracht werde, und ganz Gallien vor der Gewalttätigkeit Ariovists zu schützen.

33

Sonntag, 7. Dezember 2008, 21:58

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 32

Hac oratione ab Diviciaco habita omnes qui aderant magno fletu auxilium a Caesare petere coeperunt. Animadvertit Caesar unos ex omnibus Sequanos nihil earum rerum facere quas ceteri facerent sed tristes capite demisso terram intueri. Eius rei quae causa esset miratus ex ipsis quaesiit. Nihil Sequani respondere, sed in eadem tristitia taciti permanere. Cum ab his saepius quaereret neque ullam omnino vocem exprimere posset, idem Diviacus Haeduus respondit: hoc esse miseriorem et graviorem fortunam Sequanorum quam reliquorum, quod soli ne in occulto quidem queri neque auxilium implorare auderent absentisque Ariovisti crudelitatem, velut si cora adesset, horrerent, propterea quod reliquis tamen fugae facultas daretur, Sequanis vero, qui intra fines suos Ariovistum recepissent, quorum oppida omnia in potestate eius essent, omnes cruciatus essent perferendi.

[hr]

Nachdem diese Rede nun von Diviciacus gehalten worden war, begannen alle, die anwesend waren, unter lautem Weinen Cäsar um Hilfe zu bitten. Cäsar bemerkt, daß als die einzigen von allen die Sequaner nichts von dem taten, was die übrigen taten, sondern traurig gesenkten Hauptes zu Boden blickten. Was dieser Grund davon sei, fragte sie Cäsar verwundert. Die Sequaner antworteten nichts, sondern verharrten stillschweigend in derselben Traurigkeit. Als er sie noch viel öfter fragte und überhaupt kein Wort herausbringen konnte, antwortete derselbe Häduer Diviciacus: Dadurch sei das Geschick der Sequaner bedauerns werter und drückender als das der anderen, weil sie allein nicht einmal im geheimen zu klagen oder um Hilfe zu flehen wagten, und vor der Grausamkeit des abwesenden Ariovist schauderten, als wenn er persönlich da sei, deswegen weil den anderen doch wenigstens die Gelegenheit zur Flucht sich biete, die Sequaner aber, die Ariovist innerhalb ihres Gebietes aufgenommen hätten und deren Städte alle in seiner Gewalt seien, alle Quälereien ertragen müßten.

34

Sonntag, 7. Dezember 2008, 22:01

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 33

His rebus cognitis Caesar Gallorum animos verbis confirmavit pollicitusque est sibi eam rem curae futuram; magnam se habere spem et beneficio suo et auctoritate adductum Ariovistum finem iniuriis facturum. Hac oratione habita, concilium dimisit. Et secundum ea multae res eum hortabantur quare sibi eam rem cogitandam et suscipiendam putaret, in primis quod Haeduos, fratres consanguineosque saepe numero a senatu appellatos, in servitute atque [in] dicione videbat Germanorum teneri eorumque obsides esse apud Ariovistum ac Sequanos intellegebat; quod in tanto imperio populi Romani turpissimum sibi et rei publicae esse arbitrabatur. Paulatim autem Germanos consuescere Rhenum transire et in Galliam magnam eorum multitudinem venire populo Romano periculosum videbat, neque sibi homines feros ac barbaros temperaturos existimabat quin, cum omnem Galliam occupavissent, ut ante Cimbri Teutonique fecissent, in provinciam exirent atque inde in Italiam contenderent [, praesertim cum Sequanos a provincia nostra Rhodanus divideret]; quibus rebus quam maturrime occurrendum putabat. Ipse autem Ariovistus tantos sibi spiritus, tantam arrogantiam sumpserat, ut ferendus non videretur.

[hr]

Nachdem Cäsar, dieses erfahren hatte, sprach er den Galliern Mut zu und versprach, er werde sich die Sache angelegen sein lassen: er hege große Hoffnung, daß Ariovist, durch seine Gunstbezeugung und sein Ansehen bewogen, seinen Gewalttätigkeiten ein Ende lachen werde. Nachdem diese Rede gehalten worden war, entließ er die Versammlung. Und nächste dem bestimmte ihn vielerlei, weswegen er glaubte, daß er diese Sache in Erwägung ziehen und in die Hand nehmen müsse, besonders weil er sah, daß die Häduer, die zu wiederholten Malen vom Senate Brüder und Blutsverwandte genannt worden seien, in der Knechtschaft und unter der Botmäßigkeit der Germanen gehalten wurden, und weil er wahrnahm, daß Geiseln von ihnen bei Ariovist und den Sequanern waren; das, so glaubte er, sei bei der so großen Macht des römischen Volkes höchst schimpflich für ihn und den Staat. Daß allmählich aber die Germanen sich daran gewöhnt hatten, den Rhein zu überschreiten, und, daß eine große Menge von ihnen nach Gallien komme, betrachtete er als gefährlich für das römische Volk. Auch war er der Meinung, die wilden und rohen Gesellen würden, wenn sie ganz Gallien in Besitz genommen hätten, sich nicht enthalten können, wie es ehediesem die Cimbern und Teutonen getan hätten, in die Provinz auszurücken (einzufallen) und von dort in Eile nach Italien zu ziehen, zumal da die Sequaner von unserer Provinz nur die Rhone trenne; diesen Gefahren glaubte er so rasch wie möglich vorbeugen zu müssen, Ariovist selber aber hatte einen solchen Hochmut und eine solche Anmaßung angenommen, daß er unerträglich schien.

35

Sonntag, 7. Dezember 2008, 22:03

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 34

Quam ob rem placuit ei ut ad Ariovistum legatos mitteret, qui ab eo postularent uti aliquem locum medium utrisque conloquio deligeret: velle sese de re publica et summis utriusque rebus cum eo agere. Ei legationi Ariovistus respondit: si quid ipsi a Caesare opus esset, sese ad eum venturum fuisse; si quid ille se velit, illum ad se venire oportere. Praeterea se neque sine exercitu in eas partes Galliae venire audere quas Caesar possideret, neque exercitum sine magno commeatu atque molimento in unum locum contrahere posse. Sibi autem mirum videri quid in sua Gallia, quam bello vicisset, aut Caesari aut omnino populo Romano negotii esset.

[hr]

Deshalb beschloß Cäsar, Gesandte zu Ariovist zu schicken, die von ihm verlangen sollten, er möchte irgendeinen Platz in der Mitte zwischen ihnen beiden zu einer Unterredung auswählen; er wolle mit ihm über eine staatliche Angelegenheit und über für beide höchst wichtigen Fragen verhandeln. Dieser Gesandtschaft antwortete Ariovist: Wenn er selbst etwas von Cäsar haben wolle, so wäre er zu ihm gekommen; wenn Cäsar etwas von ihm wollte, so müsse er zu ihm kommen. Außerdem wage er es weder ohne ein Heer in diejenigen Teile Galliens zu kommen, die Cäsar in Besitz hat, noch könne er ein Heer ohne große Zufuhr und Anstrengung an einem Punkte zusammenziehen. Ihm aber komme es merkwürdig vor, was in seinem Gallien, das er im Krieg besiegt habe, entweder Cäsar oder das römische Volk überhaupt zu schaffen habe.

36

Sonntag, 7. Dezember 2008, 22:07

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 35

His responsis ad Caesarem relatis, iterum ad eum Caesar legatos cum his mandatis mittit: quoniam tanto suo populique Romani beneficio adtectus, cum in consulatu suo rex atque amicus a senatu appellatus esset, hanc sibi populoque Romano gratiam referret ut in conloquium venire invitatus gravaretur neque de communi re dicendum sibi et cognoscendum putaret, haec esse quae ab eo postularet: primum ne quam multitudinem hominum amplius trans Rhenum in Galliam traduceret; deinde obsides quos haberet ab Haeduis redderet Sequanisque permitteret ut quos illi haberent voluntate eius reddere illis liceret; neve Haeduos iniuria lacesseret neve his sociisque eorum bellum inferret. Si [id] ita fecisset, sibi populoque Romano perpetuam gratiam atque amicitiam cum eo futuram; si non impetraret, sese, quoniam M. Messala, M. Pisone consulibus senatus censuisset uti quicumque Galliam provinciam obtineret, quod commodo rei publicae lacere posset, Haeduos ceterosque amicos populi Romani defenderet, se Haeduorum iniurias non neglecturum.

[hr]

Nachdem diese Antwort Cäsar gebracht worden war, schickt er nochmals Gesandte zu Ariovist mit folgenden Aufträgen: Weil er denn, obgleich durch seine und des römischen Volkes so große Gunst ausgezeichnet, da er während seines Konsulates König und Freund vor Senate genannt worden sei, ihm und dem römischen Volke diesen Dank abstattete, daß er, aufgefordert, zu einer Unterredung zu kommen sich weigere und nicht dar Ansicht sei, daß er über eine gemeinsame Angelegenheit sprechen und davon Kenntnis nehmen müsse, so sei es folgendes, was er von ihm fordere: zu erst, daß er keine Menge Menschen mehr über den Rhein nach Gallien führe, sodann, daß er die Geiseln, die er von den Häduern habe, zurückgebe und den Sequanern erlaube, daß es ihnen freistelle, diejenigen, welche sie hätten, mit seinem Einverständnis jenen zurückzugeben; auch solle er die Häduer nicht durch Gewalttätigkeit reizen und sie und ihre Bundesgenossen nicht mit Krieg überziehen. Wenn er dies so tue, werde für ihn (Cäsar) und das römische Volk dauernde Gunst und Freundschaft mit ihm beteuern; wenn er (Cäsar) nichts erreiche, so werde er, da ja unter dem Konsulate des Marcus Messala und Marcus Piso der Senat beschlossen habe (61 v. u. Z.), daß, war auch immer die Provinz Gallien verwalte, die Häduer und die übrigen Freunde des römischen Volkes schützen solle, soweit er es ohne Gefährdung des Staates tun könne, die Gewalttätigkeiten gegen die Häduer nicht ungeahndet zu lassen.

37

Sonntag, 7. Dezember 2008, 22:12

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 36

Ad haec Ariovistus respondit: ius esse belli ut qui vicissent iis quos vicissent quem ad modum vellent imperarent. Item populum Romanum victis non ad alterius praescriptum, sed ad suum arbitrium imperare consuesse. Si ipse populo Romano non praescriberet quem ad modum suo iure uteretur, non oportere se a populo Romano in suo iure impediri. Haeduos sibi, quoniam belli fortunam temptassent et armis congressi ac superati essent, stipendiarios esse factos. Magnam Caesarem iniuriam facere, qui suo adventu vectigalia sibi deteriora faceret. Haeduis se obsides redditurum non esse neque his neque eorum sociis iniuria bellum inlaturum, si in eo manerent quod convenisset stipendiumque quotannis penderent; si id non fecissent, longe iis fraternum nomen populi Romani afuturum. Quod sibi Caesar denuntiaret se Haeduorum iniurias non neglecturum, neminem secum sine sua pernicie contendisse. Cum vellet, congrederetur: intellecturum quid invicti Germani, exercitatissimi in armis, qui inter annos XIIII tectum non subissent, virtute possent.

[hr]

Darauf antwortete Ariovist: Es sei das Recht des Krieges, daß diejenigen, die gesiegt hätten, denjenigen, die sie besiegt hätten, geböten, wie sie wollten; ebenso pflege das römische Volk nicht nach der Vorschrift eines anderen, sondern nach seinem eigenen Gutdünken zu gebieten. Wenn er selber dem römischen Volke nicht vorschreibe, wie es sein Recht auszuüben habe, so dürfe er auch vom römischen Volke in seinem Rechte nicht gehindert werden. Die Häduer sind ihm, da sie das Kriegsglück versucht und gekämpft hätten und überwunden worden seien, tributpflichtig geworden. Cäsar begehe ein großes Unrecht, da er ihm wodurch seine Ankunft die Steuereinkünfte geringer mache (schmälere). Den Häduern werde er die Geiseln auf keinen Fall zurückgeben, doch werde er weder mit ihnen noch mit ihren Bundesgenossen zu Unrecht Krieg anfangen, wenn sie bei dem verharrten, worüber man sich geeinigt habe, und ihm jährlich ihren Tribut zahlten; täten sie das nicht, so werde ihnen der Brudertitel des römischen Volkes sehr wenig nützen. Wenn Cäsar ihm ankündige, er werde gewaltsam gegen die Häduer nicht ungeahndet lassen, (so möge er wissen,) noch niemand habe mit ihm ohne sein Verderben gekämpft. Wenn er Lust habe, solle er nur kämpfen: er werde merken, was unbesiegte Germanen, überaus in den Waffen geübt, die 14 Jahre lang unter kein Dach gekommen seien, durch Tapferkeit zu leisten vermochten.

38

Sonntag, 7. Dezember 2008, 22:17

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 37

Haec eodem tempore Caesari mandata referebantur et legati ab Haeduis et a Treveris veniebant: Haedui questum quod Harudes, qui nuper in Galliam transportati essent, fines eorum popularentur: sese ne obsidibus quidem datis pacem Ariovisti redimere potuisse; Treveri autem, pagos centum Sueborum ad ripas Rheni consedisse, qui Rhemum transire conarentur; his praeesse Nasuam et Cimberium fratres. Quibus rebus Caesar vehementer commotus maturandum sibi existimavit, ne, si nova manus Sueborum cum veteribus copiis Ariovisti sese coniunxisset, minus facile resisti posset. Itaque re frumentaria quam celerrime potuit comparata magnis itineribus ad Ariovistum contendit.

[hr]

Zu dieser Zeit wurde Cäsar dieser Bescheid (wörtl.: Plural) gebracht, und es kamen Gesandte von den Häduern und den Treverern: die Häduer, um sich zu beklagen, daß die Haruden, die jetzt nach Gallien herübergebracht worden seien, ihr Land verwüsteten; sie hätten nicht einmal durch Stellung von Geiseln den Frieden mit Ariovist erkaufen können; die Treverer aber (brachten die Kunde), daß sich hunderte Gaue der Sueben an den Ufern des Rheines festgesetzt hätten, die den Versuch machten, den Rhein zu überschreiten; an der Spitze dieser ständen die Brüder Nasua und Cimberius. Dadurch stark beunruhigt, glaubte Cäsar sich beeilen zu müssen, damit nicht, wenn sich die neuen Scharen der Sueben mit den alten Streitkräften Ariovists vereinigt hätten, weniger leicht Widerstand geleistet werden könne. Nachdem daher diese Verpflegung möglichst schnell beschafft worden war, zog er in Eilmärschen Ariovist entgegen.

39

Sonntag, 7. Dezember 2008, 22:43

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 38

Cum tridui viam processisset, nuntiatum est ei Ariovistum cum suis omnibus copiis ad occupandum Vesontionem, quod est oppidum maximum Sequanorum, contendere [triduique viam a suis finibus processisse]. Id ne accideret, magnopere sibi praecavendum Caesar existimabat. Namque omnium rerum quae ad bellum usui erant summa erat in eo oppido facultas, idque natura loci sic muniebatur ut magnam ad ducendum bellum daret facultatem, propterea quod flumen [alduas] Dubis ut circino circumductum paene totum oppidum cingit, reliquum spatium, quod est non amplius pedum MDC, qua flumen intermittit, mons continet magna altitudine, ita ut radices eius montis ex utraque parte ripae fluminis contingant, hunc murus circumdatus arcem efficit et cum oppido coniungit. Huc Caesar magnis nocturnis diurnisque itineribus contendit occupatoque oppido ibi praesidium conlocat.

[hr]

Als er diesen Weg in drei Tagen vorgerückt war, wurde ihm gemeldet, Ariovist beeile ich mit alten seinen Truppen, um Vesentio zu besetzen, welches die größte Stadt der Sequaner ist, und sei drei Tagesmärsche von seinem Lande aus vorgerückt. Daß das geschehe, glaubte Cäsar energisch verhüten zu müssen, denn von allen Dingen, die für den Krieg von Nutzen waren, war in dieser Stadt der nächste Vorrat, und durch ihre natürliche Lage war sie so fest, daß sie eine günstige Gelegenheit bot, den Krieg in die Länge zu ziehen, deswegen, weil der Doubs, wie mit einem Zirkel herumgezogen, fast die ganze Stadt umgibt; die übrige Strecken, wo der Fluß aussetzt - sie ist nicht länger als 1 600 Fuß (480 m) - nimmt ein Berg von großer Höhe ein, und zwar in der Weise, daß den Fuß des Berge auf beiden Seiten die Flußufer berühren. Dieser (Berg) macht eine umgeführte Mauer zu einer Burg und verbindet ihn mit der Stadt. Hierher zog Cäsar in Eilmärschen Nacht und bei Tage, und nachdem er die Stadt besetzt hat, legt er eine Besatzung hinein.

40

Sonntag, 7. Dezember 2008, 22:46

RE: caesar bellum gallicum Übersetzung

Liber I
Kapitel 39

Dum paucos dies ad Vesontionem rei frumentariae commeatusque causa moratur, ex percontatione nostrorum vocibusque Gallorum ac mercatorum, qui ingenti magnitudine corporum Germanos, incredibili virtute atque exercitatione in armis esse praedicabant (saepe numero sese cum his congressos ne vultum quidem atque aciem oculorum dicebant ferre potuisse), tantus subito timor omnem exercitum occupavit ut non mediocriter omnium mentes animosque perturbaret. Hic primum ortus est a tribunis militum, praefectis, reliquisque qui ex urbe amicitiae causa Caesarem secuti non magnum in re militari usum habebant: quorum alius alia causa inlata, quam sibi ad proficiscendum necessariam esse diceret, petebat ut eius voluntate discedere liceret; non nulli pudore adducti, ut timoris suspicionem vitarent, remanebant. Hi neque vultum fingere neque interdum lacrimas tenere poterant: abditi in tabernaculis aut suum fatum querebantur aut cum familiaribus suis commune periculum miserabantur. Vulgo totis castris testamenta obsignabantur. Horum vocibus ac timore paulatim etiam ii qui magnum in castris usum habebant, milites centurionesque quique equitatui praeerant, perturbabantur. Qui se ex his minus timidos existimari volebant, non se hostem vereri, sed angustias itineris et magnitudinem silvarum quae intercederent inter ipsos atque Ariovistum, aut rem frumentariam, ut satis commode supportari posset, timere dicebant. Non nulli etiam Caesari nuntiabant, cum castra moveri ac signa ferri iussisset, non fore dicto audientes milites neque propter timorem signa laturos.

[hr]

Als Cäsar wenige Tage bei Vesontio der Verpflegung und Zufuhr wegen verweilte, befiel infolge der Erkundigung der Unsrigen und der Aussagen der Gallier und Kaufleute, die von der ungeheuren Körpergröße der Germanen, der unglaublichen Tapferkeit und übung in den Waffen viel Rühmens machten wiederholten Malen seien sie, so sagten sie, mit ihnen zusammengestoßen und hätten nicht einmal ihre, Gesichtsausdruck und das Feuer ihrer Augen ertragen können - plötzlich eine so große Furcht das ganze Heer, daß sie in nicht geringem Grade aller Denken und Wollen in Verwirrung brachte. Diese (Furcht) entstand zu allererst bei den Kriegstribunen, den Präfekten und den übrigen, die aus der Stadt (aus Rom) freundschaftshalber Cäsar gefolgt waren, aber keine große Erfahrung im Kriegswesen besaßen: von den bat der eine aus diesem, der andere aus jenem vor gebrachten Grunde, von dem er sagte, daß er für ihn zur Abreise zwingend sei, daß es ihm mit seinem Einverständnis erlaubt sein möge heimzukehren; nur einige wollten bleiben, durch Schamgefühl bewogen, um den Verdacht der Furcht zu vermeiden. Diese konnten weder ihre Miene verstellen noch sich zu weilen der Tränen enthalten. Verborgen in ihren Zelten klagten sie entweder über ihr persönliches Geschick oder zusammen mit ihren vertrauten Freunden jammerten sie über die gemeinsame Gefahr. Allenthalben im ganzen Lager versiegelte man Testamente. Durch deren Gerede und Furcht gerieten auch diejenigen, die große Erfahrung im Kriegsdienste hatten, Soldaten, Zenturionen sowie die die Reiterei befehligten, in Verwirrung. Diejenigen von ihnen, die für weniger furchtsam gehalten werden wollten, sagten, sie fürchteten nicht nur den Feind, sondern die Enge der Wege und die Größe der Wälder, die zwischen ihnen und Ariovist lägen, oder (äußerten ihre Befürchtung), daß der Proviant nicht leicht genug herangebracht werden könne. Einige hatten Cäsar auch gemeldet, daß, wenn er den Befehl gebe auf zu brechen und weiterzumarschieren, die Soldaten dem Befehle nicht Folge leisten und aus Furcht nicht weiterziehen würden.